Wir fordern:
die grundsätzliche individuelle Kostenfreiheit für alle weiterführenden Bildungswege. Dies bezieht sich nicht nur auf die Ablehnung der direkten Erhebung von Studiengebühren, sondern auch auf alle Modelle von Bildungsgutscheinen und privatem Bildungssparen.
Lautstark gegen Studiengebühren
Rund 500 demonstrierten am 18. Mai in Göttingen gegen Studiengebühren. Auch Schüler*innen schlossen sich der Demo an, zu der der AStA zusammen mit anderen Göttinger Gruppen im Rahmen eines gemeinsamen Aktionstages gegen Studiengebühren von bayrischen und niedersächsischen Studierenden aufgerufen hatte. Die Demonstrierenden forderten die sofortige Abschaffung der Bildungsgebühren in diesen beiden Bundesländern. Derzeit halten lediglich Niedersachsen und Bayern noch an den Gebühren fest.
Die Demo setzte sich um ca. 12:30 Uhr vom Zentralcampus aus mit lauten Sprechchören in Bewegung. Auf dem Weg zur Innenstadt schlossen sich noch weitere Studierende dem Demozug an, die durch Ansagen in Hörsälen auf die Demonstration aufmerksam gemacht wurden. Die über 500 Demonstrierenden zogen in einem Bogen durch die Innenstadt und beendeten die Demonstration mit einer Abschlusskundgebung am Weender Tor.
„Es gibt keine guten Argumente, an einem Instrument festzuhalten, das die ohnehin starke soziale Selektion an den Hochschulen nachweislich verschärft. An einem Instrument, das Studierende vor enorme Anforderungen stellt, wenn sie bspw. den unflexiblen und arbeitsintensiven Bachelor-Studiengang auch noch mit Nebenjobs in Einklang bringen müssen“, betonte der AStA in einem Redebeitrag. Insbesondere stand in der Kritik, dass die Bedürfnisse von Studierenden weder in der Bildungspolitik des Landes, noch von der Uni beim Thema Studiengebühren angemessen berücksichtigt werden. „Wir sind es satt, die Leier zu hören, dass Studierende angeblich in alle Entscheidungen, auch über die Verwendung, einbezogen werden würden. Auch an der Göttinger Universität kann davon kaum die Rede sein“. Denn auch die Vorkommnisse um den geplanten Bau des neuen Studien- und Lernzentrums waren Thema auf der Demo. Durch eine Umfrage wurde den Studierenden vorgetäuscht, an den Entscheidungen mitwirken zu können, während sich die Universität bereits im Vorfeld auf den Bau festgelegt hatte.
Auch das Göttinger Schüler*innen-Bündnis beteiligte sich an der Demonstration und forderte die Studierenden in einem Redebeitrag dazu auf, einen gemeinsamen solidarischen Kampf zu führen. „In den letzten zwei Jahren haben wir uns maßgeblich an den Protesten für Verbesserungen im Bildungssystem engagiert, bei denen unter anderem eine Verkleinerung der Klassengrößen, die Schaffung einer Schule für alle und die hinreichende Ausfinanzierung des gesamten Bildungssystems in allen Bereichen gefordert wurden“, betonten die Schüler*innen. Gerade Schüler*innen, die ein Studium anstreben, sind diejenigen, denen durch Studiengebühren ihre zukünftige Lebensplanung verbaut wird.
Thema eines weiteren Beitrages waren die Arbeitsbedingungen von Studierenden, die als wissenschaftliche Hilfskräfte arbeiten. „In Göttingen wird in besonders miesen Verhältnissen gearbeitet. Ein so niedriger Stundenlohn, wie er hier gezahlt wird, ist die Ausnahme“, hieß es in einem Redebeitrag. Gerade qualifizierte Masterstudierende hätten häufig Probleme, Stellen an der Universität zu bekommen, da ihnen auch ein besserer Lohn zusteht. Deswegen versuche die Universität „so wenig Master wie möglich einzustellen, um so wenig Lohn wie möglich zahlen zu müssen.“, hieß es im Redebeitrag. „Die ersten Institute haben bereits angefangen, ihre Masterbeschäfigten zu einem Vertragsabschluss unterm Tarifniveau zu bringen. Was als Ausnahmeregelung gehandelt wird, ist aber nichts anderes als der Beginn der Tarifspirale.“
Eins ist sicher: Der Kampf gegen Studiengebühren wird solange weiter gehen, bis sie auch in Niedersachsen und Bayern abgeschafft sind. Die große Beteiligung an der Demo in Göttingen und den vielen Demos in Bayern (in München etwa waren über 3.000 Kommiliton*innen auf der Straße) haben gezeigt, dass die Studierenden sich noch lange nicht mit den Gebühren abgefunden haben. Aber eine Demo kann nur ein symbolischer Akt sein, um zu verdeutlichen, dass das Thema noch nicht vergessen ist. Der politische Druck gegenüber den Landesregierungen muss verstärkt werden – denn von allein den besseren Argumenten scheinen sie nicht gewillt, den legitimen Forderungen der Studierenden nach einem freien und kostenlosen Studium für alle nachzukommen.


Aktuelles