Wir fordern:

die grundsätzliche individuelle Kostenfreiheit für alle weiterführenden Bildungswege. Dies bezieht sich nicht nur auf die Ablehnung der direkten Erhebung von Studiengebühren, sondern auch auf alle Modelle von Bildungsgutscheinen und privatem Bildungssparen.

Aktionstag gegen Studiengebühren am 26. Mai 2011 in Göttingen

20.05.2011 - 05:15 Uhr

In immer mehr Bundesländern wurden innerhalb der letzten Jahre Studiengebühren abgeschafft: Saarland, Hessen, NRW, bald auch in Hamburg und Baden-Württemberg. Übrig bleiben allein noch die Bundesländer Niedersachsen und Bayern, die nach wie vor an allgemeinen Studiengebühren festhalten wollen. Klar ist, Niedersachsen will sich mit aller Macht gegen eine Abschaffung der Studiengebühren wehren. Wissensschaftsministerin Johanna Wanka kündigt an: „Die Diskussion über Studiengebühren wird auf jeden Fall schwieriger, wenn nur noch zwei Bundesländer sie erheben“ - Abschaffung ist für sie allerdings keine Option. Statt die Gebühren endlich einzustampfen, wird nun versucht, Konzepte wie "nachgelagerte Gebühren" ins Gespräch zu bringen, um einem möglichen politischem Druck zu entgehen und der Debatte auszuweichen.

Studiengebühren schränken Studierende im alltäglichen Leben ein und verschärfen soziale Ausschlüsse, die an bundesdeutschen Hochschulen ohnehin überdurchschnittlich stark wirken. Nicht selten zerstören sie Lebenspläne: Viele Studienanfänger*innen überlegen sich zweimal, ob sie sich ein Studium überhaupt leisten können und fangen gar nicht erst an. Studierende stehen nicht selten vor der Frage, wo das Geld für das nächste Semester herkommen soll, um das Studium zu Ende bringen zu können. Häufig führt das dazu, dass wir in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis zu Verwandten stehen. Wir werden gezwungen prekäre Teilzeitarbeit auszuführen und einige Studierende müssen sogar zwangsweise Kredite aufnehmen.

Doch hinter diesen individuell erscheinenden Problemen mit Studiengebühren steckt ein System: Als Disziplinierungsinstrument dienen sie im Wesentlichen der Umstrukturierung des Bildungssystems. Wir Studierenden sollen Bildung als Investition begreifen. Wir zahlen also für unsere spätere „erfolgreiche“ Karriere. Da muss eine Zurichtung durch die engen Vorgaben des Bachelor-Studiums gar nicht mehr an allen Ecken funktionieren – am Ende werden wir allein aus Angst vor den großen Schuldenbergen das Studium ohne einmal nach links und rechts gesehen zu haben in der Regelstudienzeit durchziehen wollen beziehungsweise müssen. Die Konsequenzen die daraus folgen, werden von der Landesregierung geleugnet und marginalisiert.

Aber die Märchen, welche uns seit der Einführung der Studiengebühren erzählt werden, sind schon lange entzaubert. Um nur eines zu nennen: Studiengebühren seien sozialverträglich und gerecht. Für die, welche es sich leisten können, stellen die Gebühren sicherlich kein Hindernis dar zu studieren. Für Menschen aus einem finanziell schwachen Hintergrund ist und bleibt die Aussicht auf einen vier- bis fünfstelligen Schuldenbetrag durchaus ein Grund, ein Studium gar nicht erst zu beginnen. Aus einer neueren Studie des HIS geht etwa hervor, dass „[r]und die Hälfte der Bachelorstudierenden glaubt [..], auf das Masterstudium verzichten zu müssen, weil die finanziellen Voraussetzungen für ein weiteres Studium fehlen oder die Studiengebühren die finanziellen Möglichkeiten übersteigen werden."

Daraus kann nur eine Konsequenz folgen: Studiengebühren müssen auch in Niedersachsen und Bayern in jeglicher Form abgeschafft werden.

Deswegen ruft der AStA zu einem Aktionstag am 26.05. auf. Demo am 26.05., Auftaktkundgebung um 12:00 Uhr auf dem Zentralcampus.

Gemeinsam gegen Studiengebühren!





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