Wir fordern:

die grundsätzliche individuelle Kostenfreiheit für alle weiterführenden Bildungswege. Dies bezieht sich nicht nur auf die Ablehnung der direkten Erhebung von Studiengebühren, sondern auch auf alle Modelle von Bildungsgutscheinen und privatem Bildungssparen.

Aufstieg durch Bildung oder versteckte Studiengebühren?

02.11.2014 - 18:34 Uhr

„Aufstieg durch Bildung – offene Hochschule“ ist ein staatliches Förderprogramm. Auf den ersten Blick sehen wir ein Programm, wie sich das jede*r emanzipatorische Mensch nur wünschen kann: Hier sollen Menschen den Zugang zur Hochschule finden, die keine allgemeine Hochschulreife besitzen und sich neben dem Beruf weiter qualifizieren wollen. Die Zielgruppe sind insbesondere Menschen, die besondere Bedürfnisse haben, zum Beispiel Studieninteressierte, die Kinder haben oder die schon mal ein Hochschulstudium abgebrochen haben. Dies geht zumindest aus den Grundsätzen für dieses Programm hervor, so wie das BMBF sie festgelegt hat.

Nachzulesen sind die Grundsätze hier:
http://www.wettbewerb-offene-hochschulen-bmbf.de/


Aufstieg durch Bildung ist ein Projekt der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK). Es umfasst 250 Millionen Euro Fördersumme, die in zwei Förderrunden ausgeschüttet werden. Die zweite Förderrunde beginnt in Kürze. Gefördert wird nur die Entwicklung von Programmen, aber nicht der Studienbetrieb. Die Verwaltungsvereinbarung und die Förderrichtlinien der zweiten Runde findet ihr auf der Seite der GWK:
http://www.gwk-bonn.de/index.php?id=299


Aus diesen Unterlagen wird nicht unbedingt deutlich, dass es in diesem Programm zu Studiengebühren kommen kann. Klarheit schafft die Antwort auf eine kleine Anfrage an die Bundesregierung der Linksfraktion.

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/024/1802412.pdf Antwort auf Frage 19

Studiengebühren und offene Hochschule sind unvereinbar, weil Menschen zur Aufnahme eines Hochschulstudiums mobilisiert werden sollen, die bis jetzt keinen Zugang gefunden haben und von den bestehenden Hürden abgeschreckt wurden. Stutzig macht die Äußerung des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), dass wenn es sich nicht um „Normalstudierende“ handelt, die Mobilisierung eine zusätzliche Aufgabe für die Hochschulen sei, die selbstverständlich mit Gebühren belegt werden sollte. Diese Auffassung verwundert beim CHE keineswegs, versucht doch diese von Bertelsmann und der Hochschulrektorenkonferenz finanzierte Einrichtung ständig, dass Menschenrecht auf Bildung zu einer Ware umzufunktionieren und Studieninteressierte zu Verwertungsobjekten zu machen. Das Interview von Jörger Dräger, Geschäftsführer des CHE am 5. September 2014 findet sich hier:
http://www.deutschlandfunk.de/hochschulwandel-der-abschied-vom-normstudierenden.680.de.html?dram%3Aarticle_id=296696

Es gibt eine Verbindung zwischen dem Programm „Aufstieg durch Bildung - Offene Hochschule“ und dem Zentrum für Hochschulentwicklung: In der Pressemitteilung des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums zur ersten Runde des Programms wird ausgeführt, dass zwei Standorte ihres Modellprogramms „Offene Hochschule Niedersachsen“ über das Bundesprogramm gefördert werden. An der „Offenen Hochschule Niedersachsen“ ist das CHE „gesellschaftlicher Partner“.
http://www.bikl.de/pm/80647/bundeswettbewerb-aufstieg-durch-bildung/
http://www.offene-hochschule-niedersachsen.de/site/gesellschafterpartner/partner


Sieht mensch sich die Struktur der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes näher an, dann wird deutlich, dass eine projektverantwortlicheHochschule die deutsche Universität für Weiterbildung ist. Diese war zunächst ein Joint-Venture zwischen der FU Berlin und dem Verlag
Klett-Kotta war und wurde für einen Euro an die Steinbeiß-Gruppe weiter verkauft. Es ist wohl sehr wahrscheinlich, dass dies kommerzielle Programme für Hochschulen entwickeln wollen.
http://www.offene-hochschulen.de/wb_ueberuns_orga.php
http://www.offene-hochschulen.de/foerderprojekte.php

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/deutsche-universitaet-fuer-weiterbildung-duw-soll-verkauft-werden-a-899491.html

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird beim Thema Studiengebühren nervös: Es sagt klar, dass Studiengebühren Sache der Länder sind. Bei den Ländern sind die Antworten differenziert. Einige Länder antworten: Was hat das Programm „Offene Hochschule“ mit Studiengebühren zu tun? Andere Ministerien behaupten, Fort- und Weiterbildung müssten kostenpflichtig sein, da es in diesem Bereich zu privater Konkurrenz kommen könnte und ein kostenloses Programm der Hochschule unvereinbar mit Europarecht ist, da es sich um Wettbewerbsverzerrungen handelt. Wiederum andere Länder behaupten, dass das Programm „Aufstieg durch Bildung – Offen Hochschule“ klar dazu dienen soll, öffentliche Hochschulen den Zutritt zum Weiterbildungsmarkt zu ermöglichen.


In der Pressemitteilung der GWK von 2010 wird deutlich das ist vor allen Dingen um die Entwicklung von kostenpflichtigen Programmen geht.
http://idw-online.de/pages/de/news372319

Erstaunlicherweise hat das Land Bayern nach dem Start des Programms kostendeckende Studiengebühren für berufsbegleitende Bachelor eingeführt.
http://www.studis-online.de/StudInfo/Gebuehren/


Problematisch an der Haltung der Ministerien ist insgesamt, dass weiterbildende Studiengänge immer mit Kostenpflichtigkeit verbunden werden. Die Frage, ob die Öffnung der Hochschulen mit Gebühren überhaupt vereinbar ist, wird in keiner Weise thematisiert und auch in der Öffentlichkeit einfach hingenommen. Mensch hat den Eindruck, dass Studiengebühren keine Frage der Gerechtigkeit sind, sondern der Machbarkeit. Menschen, die über den zweiten Bildungsweg gekommen gekommen sind, sind an Gebühren gewohnt, also müssen sie zahlen. Es bleibt fraglich, ob alle Menschen, die in dem Projekt arbeiten, dies so sehen. Auf jeden Fall legt die Interpretation der öffentlich zugänglichen Quellen dies nahe. Es ist durch das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren nicht recherchierbar, wer mit welchem Ziel diese Projekt auf den Weg gebracht hat. Ein steht fest: Es ist problematisch, wenn ein öffentlich gefördertes Programm den ohnehin kommerziellen Bereich der Weiterbildung noch einmal verstärkt kommerzialisiert. Auf diesem Weg werden Menschen an Bildungsgebühren weiter gewöhnt.

Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren setzt sich für die Öffnung der Hochschulen ein, wendet sich aber gegen jede Form von Bildungsgebühren, egal für welche Gruppe und zu welchem Zweck.





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