Wir fordern:

die grundsätzliche individuelle Kostenfreiheit für alle weiterführenden Bildungswege. Dies bezieht sich nicht nur auf die Ablehnung der direkten Erhebung von Studiengebühren, sondern auch auf alle Modelle von Bildungsgutscheinen und privatem Bildungssparen.

Abschottung: Grüne Ministerin will Gebühren für ausländische Studierende

08.10.2016 - 17:15 Uhr

Pressemitteilung - Samstag, 8. Oktober 2016

Herausgegeben vom Bundesverband ausländischer Studierender e. V. (BAS) zusammen mit dem Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS)


Abschottung: Grüne Ministerin will Gebühren für ausländische Studierende

Am 18. Oktober will die Baden-Württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer im schwarz-grünen Kabinett Studiengebühren für ausländische Studierende beschließen. Trotz einer Milliarde Euro Haushaltsüberschuss riskiert sie internationale Abschottung und soziale Ausgrenzung. Der Bundesverband Ausländischer Studierender (BAS) und das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) fordern die sofortige Rücknahme der in ihren Augen rassistischen Vorschläge.

Gebühren von bis zu 2000 Euro pro Semester gefährden alle Bemühungen um Internationalität und Vielfalt seitens der Hochschulen. „Mit Bauers Plänen werden nicht Kompetenzen, sondern schwarze Zahlen, nicht besonders kluge, sondern besonders reiche Köpfe gefördert“, ärgert sich Kurt Stiegler, Koordinator des ABS. Die Ministerin forciert die Einführung in einem Hauruck-Verfahren und das noch vor Klärung der Rechtmäßigkeit: Erst am 25. Oktober entscheidet das Verwaltungsgericht Leipzig über einen Präzedenzfall aus Sachsen. Mit der Ausgrenzung ausländischer Studierenden nicht genug, Bauer will auch Zweitstudiengebühren für alle anderen einführen.

In einem Bundesland mit rund einer Milliarde Euro Haushaltsüberschuss wirkt die Sparzwang-Begründung der Ministerin grotesk und unglaubwürdig: Auf ihrer Homepage klagt sie, „dieses Jahr 48 Millionen Euro" einsparen zu „müssen“. Das „müssen“ ist für Stiegler „schlicht und ergreifend eine Lüge“, der Sparzwang sei „selbst auferlegt und ideologisch motiviert: Diese Privatisierungspolitik zwingt Menschen zunehmend in die Eigenverantwortung und entlässt die Gesellschaft aus der Pflicht“. Davon abgesehen stellten Studiengebühren eine der schäbigsten Arten dar, zu sparen: Es werde von den rechtlich und finanziell Schwächsten das wenige genommen, was sie haben. Bei Deals mit der Atom- und Rüstungsindustrie werde indes keineswegs gespart.

Dabei zahlen ausländische Studierende bereits jetzt teilweise rechtswidrige Gebühren, noch bevor sie das Studium überhaupt aufnehmen dürfen, etwa für die Prüfung ihrer Unterlagen durch den privaten Träger uni-assist oder auch für jahrelange Sprachkurse und -tests (TestAS, TestDaF oder DSH). Selbst ohne zusätzliche Kosten haben Studierende besonders aus dem Globalen Süden allein dadurch einen Nachteil, dass die Einkommensverhältnisse in fast allen Herkunftsländern schlechter sind als in Deutschland. Das heißt, sie und ihre Familien haben in der Regel deutlich weniger Geld als die meisten deutschen Studierenden und somit ohnehin geringere Chancen, ein Studium aufnehmen und beenden zu können.

„Zynisch, überheblich und eurozentrisch“ findet es Maurice Mwizerwa, Referent für Geflüchtete im Vorstand des BAS, wenn ausgerechnet eine Grüne Politikerin sagt: „Klar ist: Diejenigen, die nur zu uns kommen, weil es in Deutschland billig ist, die werden wir verlieren". Diese Aussage gegenüber Menschen aus Ländern, die unter anderem aufgrund deutscher und europäischer (Wirtschafts- und Agrar-) Politik in Armut und Abhängigkeit gezwungen werden, ist entschieden als rassistisch zu kritisieren. Von einer „Entwicklungszusammenarbeit", die die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte für den Globalen Süden beinhaltet oder gar dem Abbau des Nord-Süd-Gefälles dient, haben sich die Ministerin und ihre Partei offenbar sowieso längst verabschiedet.

Der BAS und das ABS fordern deshalb die sofortige Rücknahme der Vorschläge und die Abschaffung aller benachteiligenden Maßnahmen für ausländische Studierende. Auch Angebote wie Stipendien, die nur einem kleinen Teil dieser Studierenden zur Verfügung gestellt würden, die Diskriminierung aller aber nicht aufheben, erwiesen sich bislang meist als leere Versprechen und werden abgelehnt. Im diesem Sinne unterstützt das BAS und ABS ausdrücklich die erste Klage der Studentin gegen Gebühren für ausländische Studierende am 25. Oktober in Leipzig. Je nach Ausgang des Prozesses, wird hoffentlich wenigstens die Rechtsprechung Bauer in ihrem ideologisch motivierten Durchmarsch stoppen.


Kontakt:

Bundesverband ausländischer Studierender e.V. (BAS)
c/o Studierendenexekutive der Universität Ulm
Albert-Einstein-Allee 5
89081 Ulm
Email: presse[at]bas-ev.de

Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS)
Kurt Stiegler (Koordinator)
Wöhlertstraße 19
10115 Berlin
Email: presse[at]abs-bund.de
Telefon: 0178-1360870


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